Notfall

Die Gründung des Klinikums Bad Bramstedt

Der erste Direktor des Klinikums Bad Bramstedt war der Hamburger Kaufmann Oskar Alexander, geboren am 29.10.1881 in Visselhövede. Nach dem 1. Weltkrieg nahm er die Tradition der damals schon vorhandenen Bad Bramstedter Kuranlagen, zunächst als Pächter, wieder auf.

Er verstand es, bei Investoren und Patienten großes Vertrauen aufzubauen, so dass Anfang 1929 auf dem heutigen Gelände des Klinikums Bad Bramstedt die Rheumaheilstätte Bad Bramstedt GmbH gegründet wurde. Gesellschafter waren die Stadt Bad Bramstedt, die Landesversicherungsanstalten Schleswig-Holsteins und der Hansestädte, die Vereinigung der Krankenkassen Groß Hamburg und der Hauptverband der Krankenkassen zu Berlin.

Im Oktober 1930 wurde das heutige Haus B als Kurhaus in Betrieb genommen, im Februar des darauffolgenden Jahres kamen bereits die ersten Patienten. Mit der erfolgreichen Anwerbung von Privatpatienten schaffte es Oskar Alexander, die Rheumaheilstätte wirtschaftlich zu stabilisieren.

Auch im Ausland hatte sie bald einen guten Ruf. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderte sich dies allerdings. Deren Weltanschauung trat auch in Bad Bramstedt aggressiv zutage. Dieses hatte für Oskar Alexander schwerwiegende Folgen, da er Jude war. Bereits im ersten Jahr des Dritten Reiches verbündeten sich unterschiedliche Personen in wichtigen Positionen und Gruppierungen gegen ihn. In den folgenden Jahren wurde er seiner Ämter enthoben und kam schließlich am 25. Januar 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen ums Leben.

Heute erinnern der Name des Kurhauses, und eine Straße, die nach Oskar-Alexander benannt ist, an den mutigen und visionären Gründer der Rheumaklinik.

Im Jahr 1946, eineinhalb Jahre nach Kriegsende, ist Deutschland noch immer eine Trümmerlandschaft. Bad Bramstedt ist Zufluchtsort für hunderte Flüchtlinge aus Ostpreußen. In der Kurklinik, die bereits während des Krieges zum Lazarett umfunktioniert wurde, kümmerten sich die Ärzte um mehr als 700 Kranke und Verwundete. An eine Wiederaufnahme des Badebetriebes ist nicht zu denken. Erst 1949 als sich die Verhältnisse in der neu gegründeten Bundesrepublik wieder normalisieren, wird das Ausmaß der Schäden deutlich. Die einst prachtvollen Räume der Rheumaklinik sind abgenutzt, die Einrichtungen veraltet.

Unter der Leitung von Herbert Alexander, einem Neffen des Klinikgründers, beginnt eine neue Zeit in der Rheumaklinik. Aus den Einnahmen der Klinik können neue therapeutische Einrichtungen finanziert werden. Es gibt eine jetzt eine Elektrotherapie, Ultraschall, Stangerbäder, Unterwassermassagen und einen neuen Operationssaal für die Chirurgen. Vom raschen Wirtschaftsaufschwung der 50er Jahre profitierte auch die Rheumaheilstätte. Es folgte ein Belegungsboom, der bis 1970 anhalten sollte.

Unter dem Verwaltungsdirektor Herbert Alexander begannen zahlreiche Erweiterungsbauten: Das Kurhaus wurde aufgestockt mit 100 zusätzlichen Betten. Die neue Küche versorgte 650 Patienten. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von 144 (1931) auf 379 (1955). Zum Team gehörten 14 Ärzte, 35 Pfleger und Pflegerinnen sowie 42 Therapeuten. Die Rheumaheilstätte war die größte Einrichtung ihrer Art in der Bundesrepublik. Ein Moorsole-Bewegungsbad, ein Gymnastiksaal, ein Inhalationsraum und eine Massageabteilung im Inneren des Badehausringes verbesserten 1953 die therapeutischen Möglichkeiten. 90 zusätzliche Patienten kamen ab 1959 im Haus Süd unter, das über großzügige Aufenthaltsräume und ein Theater verfügte.

1964 tritt Gerhard Josenhans sein Amt als Chefarzt an. Er wird die Entwicklung der Rheumaklinik entscheidend prägen. Seine Vision ist eine Spezialklinik, die sämtliche diagnostischen und therapeutischen Einrichtungen zur Behandlung rheumatischer Erkrankungen unter einem Dach vereint. Wer immer ein Problem mit seinem „Bewegungsapparat” hat, in der Rheumaklinik Bad Bramstedt sollte er die beste Behandlung erhalten.